"Helfen ist Menschenpflicht"

Vortrag des Kabarettisten Christian Springer am Ehrenbürg - Gymnasium Forchheim

Nein, das ist keine Veranstaltung der BR-Kabarettsendung "Schlachthof". Es ist ja auch nicht Donnerstagabend, sondern Freitagvormittag, und wir befinden uns nicht in München, sondern im Ehrenbürg-Gymnasium in Forchheim.

Christian Springer steht zwar vor einem Publikum und spricht, doch nicht in seiner Eigenschaft als einer der bekanntesten deutschen Kabarettisten, sondern als Gründer des Vereins Orienthelfer e.V., der sich für syrische Flüchtlinge einsetzt.

Dass diese Hilfe bitter nötig ist, erläutert Christian Springer in einem energiegeladenen, kenntnis- und detailreichen Vortrag. Damit schlägt er seine Zuhörer eine Stunde lang in seinen Bann, einen "Querschnitt des Ehrenbürg-Gymnasiums", wie es Direktor Karlheinz Schoofs in seinen Begrüßungsworten ausgedrückt hat, d.h. etwa achtzig Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, vorwiegend Klassen- und Schülersprecher, sowie zwei Seminare und besonders engagierte Jugendliche, die im letzten Jahr Spendenaktionen für die Orienthelfer organisiert und gestaltet haben.

Zu Beginn bedankt sich Herr Springer bei der Schulgemeinschaft des Ehrenbürg-Gymnasiums für das langfristige Engagement, denn die Schule unterstützt vor allem das "Haus des Lernens" in Bar Elias schon seit drei Jahren, in denen es die Erlöse eines Flohmarktes, von Kuchenverkäufen an Elternsprechabenden, eines Spendenlaufs und eines vom Praxis-Seminar Geographie erstellten Wanderführers sowie weitere Spenden anlässlich von Konzerten und Gottesdiensten an die Orienthelfer überwiesen hat. Auch für dieses Schuljahr sind wieder Aktionen geplant, die dringend benötigtes Geld einbringen sollen. Denn seit nicht mehr an jedem Tag über den grausamen Bürgerkrieg in Syrien berichtet wird, ist das Spendenaufkommen insgesamt stark zurückgegangen. Die Lage ist aber nicht friedlicher geworden; Springer berichtet von 1300 Luftangriffen in zehn Tagen.

Überzeugend und mitreißend erklärt der Kabarettist, wie sein Engagement für Syrien entstanden ist, und schlägt dabei einen Bogen von seiner Karl-May-Lektüre, die durch die Geschichte von Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar sein Interesse am Nahen Osten geweckt hat, über einen Volkshochschulkurs in Arabisch und sein Studium semitischer Sprachen bis zu seinen Reisen nach Syrien ab den achtziger Jahren.

Zusätzlich erläutert der Redner seinen Zuhörern wichtige historische Zusammenhänge, um zu erklären, wie der aktuelle Bürgerkrieg entstanden ist. Er stellt plastisch die Zustände in Syrien nach einem Militärputsch und dem Aufstieg Hafiz al-Assads, der eine Diktatur aufbaute und der Vater des aktuellen Präsidenten Baschar al-Assad war, dar. Der jetzige Bürgerkrieg entzündete sich im sogenannten "arabischen Frühling", als sich, ausgehend von Tunesien, in mehreren arabischen Staaten Bewegungen erhoben, die die Einführung der Demokratie forderten. In Syrien wurden Kinder, die Assad-feindliche Parolen an eine Garage geschmiert hatten, verhaftet und gefoltert, zwei sogar getötet, was zu Protesten, staatlichen Gegenschlägen und schließlich zum Bürgerkrieg führte, der nun schon seit 2011 tobt. Klar schildert Springer die Kriegsverbrechen des Assad-Regimes durch den Einsatz der eigentlich geächteten Fassbomben und das Leid der Zivilbevölkerung, das seines Erachtens durch die Tatsache, dass sich die internationale Gemeinschaft nicht auf einen Sturz des Regimes Assad einigen kann, verlängert wird.

Durch diese Darstellung ist die Überleitung geschaffen zur Arbeit des Vereins Orienthelfer e.V. Die Hilfe richtet sich an syrische Flüchtlinge vor allem im Libanon, aber auch in den anderen Nachbarstaaten Syriens. Der kleine Libanon mit vier bis fünf Millionen Einwohnern hat bisher 1,5 Millionen Flüchtlinge aufgenommen. Würde Deutschland im Verhältnis zur Einwohnerzahl vergleichbar viele Flüchtlinge aufnehmen, wären es 25 Millionen. Ein großes UNO-Lager gibt es nicht, sondern tausende kleine Camps. Die Gemeinden sind mit dem massiven Zuzug vieler Menschen überfordert und können diese nicht versorgen. In der Regenzeit werden die Flüchtlingszelte überschwemmt; in den auch in diesen Breiten frostigen Wintern bieten sie kaum Schutz vor der Kälte. Wenn die Menschen in den Zelten kochen, kommt es nicht selten zu Bränden, die sich rasend schnell auf die anderen Unterkünfte ausbreiten. Die Orienthelfer besorgen deshalb gebrauchte Feuerwehrautos und Krankenwagen, aber auch Müllautos.

Für die Kinder wurde eine Schule gegründet, die jetzt in ein sogenanntes "Haus des Lernens" umgewandelt wurde, da der libanesische Staat ausländische Schulen verboten hat, weil Saudi-Arabien seine Flüchtlingsschulen dazu genutzt hat, Kinder religiös zu infiltrieren. Nun bemühen sich im "Haus des Lernens" zwanzig ausgebildete Lehrkräfte darum, möglichst vielen Kindern und Jugendlichen durch eine Vorschule und ein Nachhilfeinstitut den Einstieg ins libanesische Schulsystem zu erleichtern. Das ist schwierig, da viele Kinder mehrere Jahre lang keinen oder überhaupt noch nie Unterricht erhalten haben, nicht wenige sind verletzt, alle traumatisiert durch die schrecklichen Erlebnisse im Krieg. Die Armut der Eltern führt auch zu Kinderprostitution. Dass Christian Springer den Verein Orienthelfer e.V. ins Leben gerufen hat, begründet er mit den Lücken in der internationalen Hilfe, die dazu führen, dass nur jeder zweite Flüchtling Hilfe bekommt, da es momentan weltweit 60 Millionen Flüchtlinge gibt. Außerdem spricht Springer Arabisch, kennt sich in der Region aus, hat Freunde und damit auch Helfer bei der anfallenden Arbeit. Er ist selbst zweimal im Monat im Libanon. Zudem fühlt er sich dazu verpflichtet, humanitäre Hilfe zu leisten, da in Syrien fundamentale Rechte der Menschen und internationale Regeln missachtet werden, wie er mit der Schilderung der Strategie des syrischen Regimes und seiner Unterstützer, gezielt Helfer wie Ärzte und Feuerwehrleute zu beschießen, verdeutlicht. Christian Springer hält es mit dem Prinzip des Roten Kreuzes, dass humanitäre Hilfe bedingungslos sein muss, also nicht vorher gefragt werden darf, ob derjenige, der dieser Hilfe bedarf, sie auch "verdient" habe.

Zum Schluss fasst er noch einmal zusammen, was die Lage der syrischen Flüchtlinge so verzweifelt macht: Präsident Assad behauptet, dass er keine Zivilisten verfolge, deshalb verlangen die Aufnahmeländer wie der Libanon, dass die Syrer nach Hause zurückkehren sollen, da ihre Gebiete die weitere Versorgung nicht mehr leisten könnten. Ein syrischer General hat aber unmissverständlich gesagt, dass die Flüchtlinge niemals zurückkommen sollten, da man ihnen nicht "vergeben" werde, denn wer flieht, gilt als Gegner Assads. Europa hat seine Grenzen geschlossen, sodass auch dort keine Zuflucht mehr zu finden ist. Die Flüchtlinge sind also nirgends willkommen. Diese Erkenntnis verbindet Springer mit dem leidenschaftlichen Appell an die anwesenden Schülerinnen und Schüler, sich in der Schule anzustrengen, dort zu lernen, einfache Lösungen und angebliche Fakten zu hinterfragen und bei Wahlen das Kreuz nicht bei Parteien zu setzen, die scheinbar einfache Lösungen anbieten. Stattdessen sollen sie ihre Bildung dazu nutzen, Einfluss zu gewinnen und sich für Hilfsbedürftige einzusetzen. So, wie diese ein Recht auf Unterstützung haben, haben wir seiner Meinung nach die Pflicht zu helfen.

Nach der Beantwortung einiger Fragen aus der Zuhörerschaft, die zeigen, wie bewegt die Anwesenden von dem Vortrag sind, ist die Zeit leider um. Direktor Karlheinz Schoofs dankt Herrn Springer für sein Kommen und die hochinteressanten Informationen. Zum Abschluss bekommt Christian Springer noch eine Flasche Bier überreicht, die aus der Brauerei stammt, mit der das Praxis-Seminar "Braukultur" der 12.Klasse Bier brauen, dieses verkaufen und den Erlös dem Verein spenden wird.

Wenn auch Sie helfen wollen, können Sie eine Spende auf folgendes Konto überweisen: Orienthelfer e.V.   IBAN: DE92 7015 0000 0000 5741 11   BIC: SSKMDEMM

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