Silbermedaille bei der Weltmeisterschaft der IJSO

Thomas Kornalik (10e), der in den letzten Monaten hart für die Internationale Junior Science Olympiade (IJSO) trainierte, um sich für die Weltmeisterschaft in den Niederlanden zu qualifizieren, hat den Ablauf des Wettbewerbs in einem sehr informativen Erfahrungsbericht zusammengefasst, welchen wir zur Lektüre empfehlen. Im Finale erreichte er zusammen mit seinem Team den beachtlichen 2. Platz. Die Schule gratuliert Thomas  zu seiner außergewöhnlichen Leistung!

Wie bereits im Jahresbericht des Schuljahres 16/17 zu lesen war, entschloss ich mich im letzten Jahr, an der International Junior Science Olympiade (IJSO) 2017, einem internationalen, hierzulande vom Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik an der Universität Kiel (IPN) ausgerichteten Schülerwettbewerb in den Fächern Biologie, Chemie und Physik, teilzunehmen.

Hingewiesen wurde ich auf den Wettbewerb durch meinen Biologielehrer, Herrn Schmitt, der übrigens auch der schulweite Betreuer für die IJSO am EGF und damit Ansprechpartner Nummer 1 für Interessierte ist.

Wie berichtet, mussten in der ersten, praktisch ausgerichteten Runde, eine Vielzahl von Experimenten zu Hause selbst durchgeführt, und durch Recherche und Logik deren wissenschaftlicher Hintergrund dargelegt werden. Die Ergebnisse wurden dann in Form einer Facharbeit bei der betreuenden Lehrkraft eingereicht, die diese kontrollierte und, bei ausreichender Punktzahl, grünes Licht für die Teilnahme an der nächsthöheren Runde gab. Während die nachfolgenden in der Schule durchgeführten beiden Runden, bestehend aus einem Multiple-Choice-Quiz und einer komplexeren Klausur, sich sehr theoretisch gestalteten, so gewann zur vierten Runde, dem Bundesfinale in Hannover im November, die Praxis wieder deutlich an Bedeutung. Am Ende dieses fünftägigen Auswahlseminars wurde schließlich, nachdem wir über die Woche hinweg verschiedene theoretische und experimentelle Aufgaben in Einzel- und Gruppenarbeit gelöst hatten, das Nationalteam Deutschland aus den 6 besten der circa 40 Finalisten zusammengestellt. Und zu meiner Überraschung war ich einer von ihnen. Ich musste mich also auf die Teilnahme am internationalen Entscheid im diesjährigen Gastgeberland -den Niederlanden- einstellen.

Nach mehreren Wochen voller Training und Aneignung neuen Wissens zuhause, unterstützt von fachspezifischen Coaches, die uns mit Übungsaufgaben und Tipps per Mail versorgten, war es dann am Sonntag, den 3. Dezember, endlich soweit: die Anreise konnte beginnen. Das Nationalteam und die Coaches trafen sich am Frankfurter Hauptbahnhof, von wo aus wir weiter nach Arnheim fuhren. Hier brachte ein Shuttlebus uns zum sonst als Trainingszentrum der niederländischen Olympioniken genutzten Sporthotel Papendal, wo wir die nächsten 9 Nächte verbrachten. Nachdem uns, wie jeder Teilnehmernation, ein Guide zugeteilt wurde, der unser Ansprechpartner während der Zeit war, mussten wir uns von unseren Coaches verabschieden. Diese wurden in einem anderen Hotel untergebracht, da sie für die Übersetzung der Klausuren verantwortlich sein sollten und wir somit Kontaktverbot hatten. Im Anschluss an das Beziehen der Zimmer, eine Erkundung des Hotels, erste Kontaktaufnahme mit anderen Nationen und ein leckeres Abendessen endete so der erste Tag. Am Montagmittag wurde schließlich die Olympiade mit einer bunten, aber langwierigen Zeremonie einschließlich vieler Reden von Vertretern der Regierung und diverser Sponsoren feierlich und offiziell eröffnet. Für mich hieß das im Klartext: Jetzt würde die anstrengende Zeit beginnen. Die erste zu nehmende Hürde stellte am Dienstag die Multiple-Choice-Klausur dar.

Früh am Morgen wurden wir geweckt und per Bus an die Radboud University in Nijmegen verfrachtet, wo wir uns in einer mit Tischen und Stühlen voll gestellten Turnhalle der dreistündigen Klausur stellen mussten, was doch die ein oder andere Assoziation mit Staatsexamen oder Abitur hervorrief.

Wie es die Regeln der IJSO vorschreiben, fand die nächste, die theoretische Prüfung glücklicherweise mit einem Tag Abstand statt, war ansonsten aber genauso zehrend und stressig. Anschließend konnte ich jedoch aufatmen, da nur noch eine Herausforderung zu meistern blieb, der ich sogar mit ein wenig Vorfreude entgegen blickte: die praktische Klausur.

Hierfür wurden die circa 300 Schüler am Samstag aufgeteilt und zu unterschiedlichen Laboratorien an der Radboud bzw. HAN University gebracht, wo sie in Dreier-Teams die experimentellen Aufgaben durchführen und auswerten mussten. Ich hatte mich dazu bereit erklärt, den Biologie-Teil zu übernehmen. Das stellte mich jedoch zunächst vor große Schwierigkeiten, da die zu mikroskopierenden Pantoffeltierchen sich ganz und gar nicht wie geplant verhielten und zudem eine Affinität dazu hatten zu sterben, bevor ich sie beobachten konnte. Diese Aufgaben konnte ich nur unter enormem Zeitdruck fertigstellen.

Am Montag, den 11. Dezember, schließlich, eine Woche nach ihrer Eröffnung, war die 17.

International Junior Science Olympiade, ein Event, das bereits Jahre zuvor geplant worden war, auch schon wieder vorbei. Natürlich ging dies nicht ohne eine Vielzahl von Reden, Danksagungen, Showeinlagen und selbstverständlich die Preisverleihung von statten, wobei das deutsche Nationalteam sich überraschenderweise 6 Silbermedaillen sicherte. Damit hatte sich jeder von uns also unter den besten 10-30% der Teilnehmer platziert.

Mindestens genauso wichtig und eindrucksvoll wie die Prüfungen selbst war aber selbstverständlich auch die Zeit zwischen ihnen, die wir mit Bustouren durch die wunderschöne Landschaft, zu Sehenswürdigkeiten wie Amsterdam und zu verschiedenen sponsernden Firmen und Institutionen verbrachten. Hierbei lernten wir viel Interessantes über die Geschichte der Niederlande und über ihr Leben mit dem Wasser, beispielsweise in Bezug auf Deichbau, intelligente Wasserschutzsysteme für Städte oder sogenanntes "Water Management", das von vielen innovativen Firmen in den Niederlanden betrieben wird.

Selbstverständlich wurden während dieser Zeit auch zahllose Kontakte mit anderen Delegationen geknüpft, was für mich persönlich klar die wertvollste Erfahrung war. Man konnte sich austauschen, fand deutliche Unterschiede (z.B. im Bildungssystem, wo für viele Nationen das reine Auswendiglernen von Fakten im Mittelpunkt steht), aber auch überraschende Gemeinsamkeiten, wobei sich Nationen wie Argentinien und Spanien als besonders kontaktfreudig zeigten. Bei der Kommunikation mit den anderen Teams wurde mir aber auch klar, dass die Bedeutung der Olympiade für die Teilnehmer sich oft um Welten unterscheidet: Während wir eher gelassen an den Wettbewerb herangehen, wird in einigen Ländern schon über ein Jahr vorher mit drillartigem Intensivtraining begonnen. Belohnt werden die Teams dort bei guter Leistung oft mit hohen Geldsummen oder einem garantierten Studienplatz. Die Startbedingungen und der Druck, der auf den Teilnehmern lastet, können also keinesfalls als gleich bezeichnet werden. Deshalb ist es wohl auch nicht verwunderlich, dass die Liste der an der Spitze stehenden Teilnehmernationen sich über die Jahre nur wenig verändert hat.

Als mein persönliches Fazit kann ich die Teilnahme an der IJSO selbstverständlich auch weiterhin jedem empfehlen, der grundsätzlich naturwissenschaftlich interessiert ist, keine Probleme mit den vielen durch eventuelle Seminare und Termine versäumten Schulstunden hat und bereit ist, sich weit über den Schulstoff hinausreichendes Wissen selbst anzueignen.

Thomas Kornalik (10e)

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EGF aktuell

Die Bilder der Verabschiedung vom 29.6.18 sind über einen Link im Elternportal herunterzuladen. (Dokumente - Linksammlung - Abibilder).

Sollte der Zugang zum Elternportal nicht mehr möglich sein, hilft bei Interesse an den Bildern gerne das Sekretariat der Schule weiter.

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