Unser Müll – wo kommt er her, wo geht er hin?

Unser Seminartitel - und eine Frage, die für unsere und kommende Generationen ein immer drängenderes Problem werden wird: Denn wir alle produzieren jedes Jahr Unmengen von Müll, insbesondere Plastikmüll, der mittlerweile sogar schon in den Ozeanen (und selbst in der Arktis!) Besorgnis erregende Spuren hinterlassen hat: Inzwischen gibt es in den Weltmeeren 6-mal mehr Plastik als Plankton!

Durch Reibung und Sonneneinstrahlung wird unser Plastikmüll im Laufe der Zeit in z.T. winzig kleine Teilchen zerlegt, von denen wir mittlerweile z.B. in Muscheln etliche mitessen! Besonders schockierend ist die Tatsache, dass man einen unberührten, "natur"-belassenen Strand heute oft daran erkennt, dass dieser übersät ist mit Plastikmüll aller Art! Denn der in den Weltmeeren herumtreibende Kunststoffmüll wird an vielen Stränden angespült, und nur wenn dieser aktiv beseitigt wird, sind sie frei davon. Aber auch in Altmühl, Donau, usw. wurden solche kleinen Plastikpartikel schon gefunden, die u.a. vom Waschen von synthetischer Kleidung herrühren können.

Ohne Plastik geht’s heute ja nicht mehr: Der Abschied von Metall, Holz, Leder, Pappe u. a. Naturmaterialien bei vielen Gegenständen hat uns also quasi direkt ins "Plastikzeitalter" geführt! Da hilft es wohl nur noch, wenigstens weitblickend und verantwortungsvoll damit umzugehen.

Und so wollten wir uns als P-Seminar damit beschäftigen, wie in Forchheim bzw. Deutschland oder sogar weltweit zurzeit mit Müll -aufgefächert in die verschiedenen Stoffklassen- umgegangen wird und wie man Müll vermeiden oder zumindest umweltverträglich wiederverwerten kann. Dabei ist Müllvermeidung noch immer einer Wiederverwertung vorzuziehen! Um uns ein Bild von der aktuellen Situation zu verschaffen, besuchten wir unterschiedliche Einrichtungen, die für die Beseitigung von Müll verantwortlich sind (s. a. die angehängten Fotos!) - wie etwa das Müllheizkraftwerk in Bamberg, die Mülldeponien in Gosberg und Medbach, verschiedene Wertstoffhöfe und den für Abfallmanagement zuständigen Mitarbeiter des Landratsamtes.

Darüber hinaus befassten sich die einzelnen Teilnehmer des Seminars jeweils genauer mit einer bestimmten Sorte Müll, recherchierten intensiv und stellten die Erkenntnisse dann dem gesamten Seminar vor. Dabei staunten wir nicht schlecht, wie komplex und oft auch problematisch für Umwelt und Gesundheit die Müllentsorgung (auch das ressourcenschonende Recycling) ist, wie viel Müll tatsächlich anfällt und wie groß die realen Umweltschäden auch jetzt schon sind.

Beschäftigt haben uns ebenso die gesellschaftlichen Probleme, die sich ergeben, wenn wir uns unseres Elektroschrotts "einfach" in Afrika oder Indien entledigen: Unter katastrophalen Arbeitsbedingungen werden dort daraus Wertstoffe gewonnen - mit schwerwiegenden Folgen für die Umwelt und die Gesundheit der Arbeiter, zu denen auch Kinder zählen! Und wie genau aus unserem Plastikmüll in China Kleidungsstücke aus Polyester werden, wissen wir auch nicht so genau.

Auch über Aluminium lernten wir erstaunliche Dinge kennen: Dieses Metall wird vom Körper nicht benötigt, die Menschheit kennt es auch noch nicht so lange, es liefert aber jede Menge Probleme, die wir hinter unserer harmlos wirkenden Alufolie gar nicht vermuteten: bei Herstellung von frischem Aluminium die Zerstörung von Regenwäldern, Kontaminierung von Flüssen, Produktion riesiger Mengen hochaggressiven Rotschlamms als Abfallprodukt und im letzten Produktionsschritt ein gigantischer Stromverbrauch und ein enormer CO2-Ausstoß.

Im Laufe unseres Seminars erfuhren wir, dass bei einigen Müllsorten das stoffliche Recycling schon recht gut funktioniert, d.h. sie werden möglichst umweltschonend, energiesparend und kostenneutral einer sinnvollen Verwendung zugeführt statt die Müllhalden immer größer werden zu lassen: bei Biomüll, Papier, Glas und Metallen; bei anderen besteht jedoch noch Verbesserungsbedarf, v.a. bei Elektroschrott und Plastik aller Art: Ein großer Teil des Plastikmülls zählt zwar als recycelt, genauer aber: energetisch verwertet, d.h. nicht der Stoff wird noch einmal zu einem Produkt verarbeitet, sondern schlicht verbrannt (und so immerhin noch zur Energieerzeugung genutzt). Damit verbunden ist dann ja auch die Frage, wie viele der begrenzten Ressourcen unseres Planeten wir Menschen noch zur Herstellung von Verpackungen und Einwegprodukten und zur Verfeuerung oder anderweitigen Entsorgung des daraus entstehenden Abfalls verwenden wollen bzw. überhaupt noch können werden.

Eine Optimierung der Wiederverwertung bei einigen Müllsorten, z.B. eine bessere echte Recycling-quote (noch besser: eine deutliche Reduktion) gerade von Plastikmüll muss wohl als ganz zentrale Aufgabe für die Zukunft gesehen werden, zu lösen vielleicht u.a. durch eine bessere sortenreine Trennung der verschiedenen Plastiksorten, eine Ausweitung des Pfandsystems (z.B. auf Getränkekartons), usw.

Wir wollten auch wissen, wie die Forchheimer ihren Müll sammeln, und befragten deshalb in der Fußgängerzone ein paar Passanten. Dabei fanden wir z.B. heraus, dass Papier, Glas und Batterien ziemlich konsequent vom restlichen Müll getrennt werden, Biomüll hingegen in deutlich geringerem Maße. Alleinlebende oder Bewohner in Mehrfamilienhäusern trennen ihren Müll oft nicht so gut wie Mehrpersonenhaushalte oder Bewohner von Einfamilienhäusern.

Ende Januar war es nun so weit: Unsere Ausstellung ist fertig und wir haben sie im Erdgeschoss aufgebaut – mit Informationen zu den verschiedenen Müllsorten und zum Grünen Punkt/Dualen System Deutschland. Außerdem kann man etwas über Initiativen erfahren, die neue Möglichkeiten eröffnen, Müll zu vermeiden (z.B. Pack mer’s in Forchheim, Umsonstläden in Baiersdorf und Erlangen, Unverpacktläden in Bamberg und Nürnberg, Repaircafés in Erlangen und bald auch wieder in Forchheim) und Tipps und Tricks zur Müllvermeidung im Alltag, z.B. auch "Coffee to go again" gegen die Einwegbecherflut (immerhin werden in Deutschland jedes Jahr 2,9 Milliarden Einwegbecher verbraucht!): ein vernetztes Mehrweg-Pfandsystem für das inzwischen sehr beliebte Coffee-to-go, eine Liste der beteiligten Forchheimer Geschäfte (zu erkennen am grünschwarzen Logo) gibt es auch in der Ausstellung (und z.B. auf der Homepage des Landratsamtes).

Vielleicht verzichtet Ihr ja beim nächsten Einkauf mal auf unnötige Plastikverpackungen und verwendet lieber Mehrwegbeutel? Und für Alufolie (in der man auch besser keinen Käse oder andere salzige oder saure Speisen lagern oder erhitzen sollte) findet Ihr doch bestimmt auch einen Ersatz, z.B. ein häufig benutzbares Glas- oder Plastikgefäß? Oder Ihr lasst das ultimative Sonderangebot aus dem bunten Werbeprospekt vom Discounter liegen, weil Ihr es ja eigentlich gar nicht braucht und sowieso bald wegwerfen würdet? Denn unser Konsumverhalten ist ein Teil des Problems und:

MÜLL RECYCLEN IST GUT – MÜLL VERMEIDEN IST BESSER!

Wir schauen viele Sachen jedenfalls nun mit anderen Augen an und sehen jetzt immer ein wenig darin den Müll, der sie einmal sein werden …

Im Sekretariat wird voraussichtlich ab Ende Februar ein ausführlicher Seminarbericht bereit liegen.

Helga Kirsch-Burmeister und das ganze P-Seminar "Müll"

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